Die Mosaikjungfern

Blaugüne Mosaikjungfer
Herbst-Mosaikjungfer
Keilfleck-Mosaikjungfer
Südliche Mosaikjungfer

Blaugrüne Mosaikjungfer
Aeshna cyanea (Müller, 1764)

Frontalansicht einer männlichen Blaugrüne Mosaikjungfer im Schwebeflug (Bild: TrkaP)

Die Blaugrüne Mosaikjungfer gehört zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Großlibellenarten in Europa

Systematik:

Zugehörigkeit: Großlibellen
Familie: Edellibellen
Art: Blaugrüne Mosaikjungfer
Wissenschaftl. Name: Aeshna cyanea

Merkmale:
Beim Männchen ist der Thorax (Brust) gelbgrün mit schwarzen/braunen schrägverlaufenden Zeichnungen versehen. Dorsal (am Rücken) hat sie 2 markante ovalförmige gelbgrüne Flecken (Antehumeralstreifen auf der Oberseite des Thorax, hinter den Komplexaugen). Der Abdomen (Hinterleib), von oben gesehen, ist schwarz mit grüner Fleckung (Segment 1 – 7) und blaue Fleckung (Segment 8 – 10). Seitlich ist allerdings auf jedem Segment eine blaue Fleckung erkennbar.

Männchen auf Patrouille (Bild: TrkaP)

Beim Weibchen befinden sich auf dem gelbgrünen Thorax 2 kräftige bräunliche Binden. Die Antehumeralstreifen sind bei Weibchen und Männchen identisch. Das Abdomen ist durchgängig grün und braunschwarz gescheckt. Außerdem fehlt dem Weibchen, wie bei allen Mosaikjungfern-Arten und vielen Großlibellen, die Einschnürung (Taille).

Weibliche Cyanea bei der Eiablage (Bild: Georg Konrath)

Größe: Mit einer Gesamtlänge von 67 – 76 mm und einer Gesamt-Flügelspannweite von 86 – 106 mm gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer zu den größten Libellenarten unseres Gebiets und erreicht somit fast die Größe der Großen Königslibelle.

Lebensraum und Lebensweise: Die Art ist was ihr Habitat angeht nicht wählerisch und ist an stillen sowie auch langsam fließenden Gewässern aller Art anzutreffen. Auf der Jagd nach Insekten trifft man sie auch weiter von Gewässern entfernt, im Wald und Waldlichtunten, wobei sie in einer geringen Höhe fliegen. Auf der Suche nach einem Weibchen fliegen Männchen die Gewässerufer ab und bleiben häufig im Rüttelflug stehen.

Eiablage: Die Eier werden in abgestorbene Pflanzenteile oder in Baumstämme, die auf dem Wasser oder auch knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen und in Moose im Uferbereich eingestochen (s. obiges Bild). Nachdem die Eier überwintert haben, schlüpft die erste Larvenstufe im darauf folgendem Frühjahr. In 14 weiteren Häutungsstufen dauert die Entwicklung zur Libelle noch 2 – 3 Jahre.

Flugzeit: Ab Juli bis weit in den Herbst, bei milden Temperaturen auch bis in den November. Hauptflugzeit sind Juli und August.

Gefährdung: ungefährdet

Fragen zum Beitrag können Sie gerne an: peter.trka@gmail.com senden.

Herbst-Mosaikjunger
Aeshna mixta (Latreille 1805)

Systematik:

Zugehörigkeit: Großlibellen
Familie: Edellibellen
Art: Herbst-Mosaikjungfer
Wissenschaftlicher Name: (Aeshna mixta)


Merkmale: Die Brust (Thorax) beider Geschlechter ist braun mit sehr kleinen gelben kommaförmigen flecken (Antehumeralstreifen) die sich auf der Thoraxoberseite, hinter Komplexaugen befinden. Die Flanken sind jeweils mit 2 breiten gelbgrünen Seitenbinden versehen. Ein weiteres Merkmal befindet sich oben auf dem S2, dem zweiten Abdominalsegment, in „T -Form“.  (s. rot Kreismarkierungen im unterem Bild)

Ausschnitt mit der gelblichen Antehumeralstreifens und die T-Form auf S2 (Bild: TrkaP)

Männchen Bild: TrkaP

Geschlechtsunterscheidung: Das Männchen hat einen schwarz-blauen und das Weibchen eine blau-braunen, mosaikartigen gefleckten Hinterleib (Abdomen). Beim Männchen sind die Augen blau-braunen, beim Weibchen braun.

Weibchen, Bild: Bernd Kunz

Größe: Mit einer Gesamtlänge von 56 – 64 mm und einer Gesamt-Flügelspannweite von 74 – 84 mm gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer zu den mittelgroßen Mosaikjungfernarten unseres Gebiets.

Lebensraum und Lebensweise: Die Herbst-Mosaikjungfer lebt überwiegend an Sillgewässern, mit ausgeprägten Röhrichtbeständen. Sie ist aber auch an strukturähnlichen langsamen Fließgewässern. Sie patrouillieren entlang der Gewässerufer auf der Suche nach Weibchen Es kommt vor, dass die Paarung während des Fluges stattfindet. Mosaikjungfern sind eigentlich Dauerflieger, die selten rastend beobachtet werden. Ihre Flüge können recht ausgedehnt sein, so dass man diese Libellen auch auf Wiesen in einiger Entfernung zum Gewässer antrifft. Die Herbst-Mosaikjungfer setzt sich gerne in fast waagerechte Lage ab, im Gegensatz zu den anderen Mosaikjungfern, die sich eher senkrecht absetzen bzw abhängen.

Eiablage: Unmittelbar nach der Kopulation sticht das Weibchen die Eier vor allem in schwimmende abgestorbene Pflanzenteile (Substrate) ein.

Schlupf: Die Herbst-Mosaikjungfer schlüpfen  in Juli – September

Flugzeit: Juli – September/Oktober, zum Teil auch bis in den November

Gefährdung: ungefährdet

Fragen zum Beitrag können Sie gerne an: peter.trka@gmail.com senden.

Keilfleck-Mosaikjungfer
Aeshna isoceles (Müller 1767)

Die Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles) ist eine noch seltene Libellenart, die früher noch unter dem Namen Keilflecklibelle  (Anaciaeschna isoceles) so manchem bekannt sein dürfte. Nach der Jahrtausendwende wurde sie zu der Gattung der Mosaikjungfern zugeordnet und heißt seitdem

Keilfleck Mosaikjungfer, Männchen Draufsicht (Bild Bernd Kunz)

Systematik:

Zugehörigkeit: Großlibellen
Familie: Edellibellen
Art: Keilfleck-Mosaikjungfer
Wissenschaftlicher Name: (Aeshna isoceles)

Keilfleck Mosaikjungfer, Männchen Seitenansicht (Bild Bernd Kunz)

Merkmale: Die Augen sind leuchtend grün. Gesichtsfeld, Thorax und Abdomen, haben einen orangebraunen Grundton, wobei sich an den Thoraxseiten jeweils 2 schmale blassgelbe, schrägverlaufende Streifen befinden. Die für Mosaikjungfern typische Mosaikzeichnung auf dem Abdomen fehlt bei dieser Art.
Beim Weibchen ist das  Abdomen etwas dicker und weniger tailliert als beim Männchen.

Größe: Mit einer Gesamtlänge von 62 – 66 mm und einer Gesamt-Flügelspannweite von 78 – 90 mm zu den mittelgroßen Mosaikjungfernarten unseres Gebiets.

Namensgebend ist ein markantes Merkmal; ein cremefarbener bis gelber keilförmiger Fleck, auf dem 2. Segment des Abdomens,
der beim Weibchen oft größer und kräftiger ist.

Keilfleck Mosaikjungfer, Weibchen Seitenansicht. Am Abdomenende deutlich erkennbarder, die Verdickung des durch den Legeapparat (Ovipositor) vor den hinteren Anhängen. (Bild Bernd Kunz)

Habitat und Ökologie Die Keilfleck Mosaikjungfer bevorzugt Stillgewässer und langsame Fließgewässer mit größeren Beständen von Röhrichten im Uferbereich, wie am Ostufer des Gr. Kuhteichs vorhanden. Hier sitzen die Männchen oft an einem Halm auf der wasserzugewandten Seite (s. Bild) und warten auf ein Weibchen, das nur zur Paarung und Eiablage das Wasser aufsucht. Nach der Begattung, die im Flug über dem Wasser beginnt und in einem ufernahen Baum endet, sticht das Weibchen ihre Eier in schwimmende Pflanzenteile ein. Nach ca. 6 Wochen schlüpfen die Prolarven aus dem Ei.
Kurz darauf schlüpft die Larve noch bis zu 12 Mal, bevor sie ihre Umwandlung (Metamorphose) vollendet hat. Die Phase des Lebens kann umweltbedingt 1 – 2  Jahren dauern.
Beim letzten Schlupf hinterlässt eine Libellenlarve ihre Larvenhülle. In Fachkreisen spricht man von der Exuvie, die von Spezialisten auch der Art zugeordnet werden können. Nach der Trocknung ihres Körpers hebt sie als vollwertige Libelle zum Jungfernflug ab, in ein neues, aber auch kurzes Leben.

Verwechslung: mit der Braunen Mosaikjungfer (Aeshna grandis) ist die Verwechselung denkbar, jedoch ist die Braune Mosaikjungfer ca.10 mm länger, hat rötlichbraune Augen, die Flügel sind braun getönt und ist vom braunem Grundton her dunkler gefärbt und beim Männchen mit Blauanteilen versehen.

Allmähliche Ausbreitung, nicht nur in Baden-Württemberg (BW)
Vor der Jahrtausendwende war die Libellenart in Baden-Württemberg nur an wenigen Orten der südlichen Rheinniederung zwischen Karlsruhe und Mannheim, sowie auch in wärmeren Gebieten im Voralpenland, zu beobachten.
Einzelne Beobachtungen gab es schon am Anfang der ersten Dekade des 2. Jahrtausends, die, aber nicht ausreichten um als bodenständige Nachweise dieser Art zu gelten. Erst durch die Zunahme der nachgewiesenen Fundorte, wie Z.B. ab 2008, in mehreren Teilen von BW, konnte man von einer allmählichen Ausbreitung ausgehen, was sich bis heute erfreulicherweise weiter fortgesetzt hat.
Inzwischen ist die Keilfleck-Mosaikjungfer in fast ganz Deutschland nachgewiesen worden. Als Beispiel einer klimabedingten Ausbreitung zeigen folgende Beobachtungen in Hessen. Innerhalb von 12 Jahren (1995 bis 2007) gab es nur 11 Nachweise. Im Jahr 2008 zählte man schon 25 Meldungen an 19 Fundorten aus einem Jahr.

Erstbeobachtungen: Für mich waren meine nachfolgenden Beobachtungen der Keilfleck-Mosaikjungfer Erstbeobachtungen, persönlich und wahrscheinlich auch für den Streifleswald:
– 08.06.2023 am Waldweiher 2 Individuen im Flug sowie am Westufer des Großen Kuhteichs ein Individuum
– 14.06.2023 an der Gumpe am Südostufer des Großen Kuhteichs ein Individuum
(hier entstand die obige Aufnahme)
– 28.06.2023 am Westufer des Großen Kuhteichs ein Individuum

Schutzstatus: In der aktuellen Roten Liste für Baden-Württemberg und gesamt Deutschland wird die Keilfleck-Mosaikjungfer, in Kategorie 2 als stark gefährdet eingestuft.

Trotz der Zunahme der Meldungen gilt sie nach wie vor, als seltene Art, kommt aber lokal schon häufiger vor.

Fragen zum Beitrag können Sie gerne an: peter.trka@gmail.com senden.

Südliche Mosaikjungfer
Aeshna affinis (Vander Linden, 1820)

Die Südliche Mosaikjungfer ist bei uns im Landkreis Schwäbisch Hall nicht so häugig anzutreffen.
Die A. affinis ist ein der kleineren Vertreter der Mosaikjungfern und ist auf den ersten Blick leicht mit der Herbst– und Alpen-Mosaikjungfer verwechselbar.

Systematik:

Zugehörigkeit: Großlibellen
Familie: Edellibellen
Art: Südliche Mosaikjungfer
Wissenschaftlicher Name: (Aeshna affinis)

Merkmale: Beim Männchen ist die dominierende Farbe Blau, wie im oberen Bild erkennbar.
Fontal hebt sich das hell-weißliche Gesichtsfeld von den komplett blauen Augen ab.
Der Thorax ist von oben betrachtet Hellbraun, kann aber auch zum Teil mit einem leichten gräulichen Farbschimmer versehen sein. Auf der vorderen Thoraxseite, hinter den Augen befinden sich die beiden kleinen bläulich bis gelblichen, kommaartigen Antehumeralstreifen.
Die Flanken sind gelb bis grün, mit Blauanteilen, die von 3 feinen, schrägverlaufenden, schwarzen Linien durchzogen sind.
Das Abdomen ist durchgehend schwarz, mit einer blauen mosaikartigen Fleckung.

Südliche Mosaikjungfer, männlich. Bild: Bernd Kunz

BeimWeibchen sind die Farben von olivbraun bis gelb-grün bestimmend.
Die Gesichtsmaske ist in ein cremefarbenes weiß bis braun gehalten.
Die Augen sind von einem satten Grün bis hin zu einem gelb-grün bzw. olivbraun gefärbt.
Der Thorax ist von oben betrachtet Hellbraun, und geht in einem gelbgrün, zu den Flanken, über.
Wie beim Männchen befinden sich hinter den Augen, auf der vorderen Thoraxseite, die beiden kleinen gelbgrünen, kommaartigen Antehumeralstreifen.
Die Flanken sind gelb-grün, ohne Blauanteilen, die auch von 3 feinen, schrägverlaufenden, schwarzen Linien durchzogen sind.
Das Abdomen ist durchgehend grünlich-gelb, mit einer braunen und schwarzen mosaikartigen Fleckung.

Südliche Mosaikjungfer, weiblich. Bild: Bernd Kunz

Lebensraum und Lebensweise: A. affinis bevorzugt kleinere Stillgewässer, die auch mal austrockenen dürfen aber auch die, die nur einen niedrigen Wasserstand aufweisen.
Wichtig sind:
– Ein guter Seggen- oder Röhrichtbeständen im Uferbereich.
– Teilweise gut besonnte stellen und einen Windschutz, der ein wärmeres Mikroklima vorweist.
„Mit Mikroklima ist damit das spezielle Klima eines Areals gemeint, dass sich in den bodennahen Luftschichten ausbildet und stark von den vorhandenen Oberflächen (Untergrund, Bewuchs, Bebauung), z.B. deren Rauigkeit und thermischen Eigenschaften, beeinflusst ist.
Entnommen aus: Wetter- und Klimalexikon des DWD.

Schlupf und Flugzeit: Die Südliche Mosaikjungfern schlüpfen von Juni bis Anfang August und fliegen ab Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Anfang September, vereinzelte auch bis Ende September.

Verwechslungen: Für unerfahrene sind Verwechselungen mit allen Mosaikjungfern möglich,
Hauptsächlich sind es die Herbst Mosaikjungfer (Aeshna mixta) und Alpen-Mosaikjungfer (Aeshna caerulea).
Letztere kommt aber bei uns nicht vor, sondern nur in den Allgäuer- und vereinzelt auch in den Bayerischen Alpen, in Höhen zwischen 800 und 1800 m ü. NN, vor.

Schutzstatus: In der aktuellen Roten Liste für Baden-Württemberg wird die Südliche Mosaikjungfer, in Kategorie 2 als stark gefährdet eingestuft.

Fragen zum Beitrag können Sie gerne an: peter.trka@gmail.com senden.

 

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