Die Gabel-Azurjungfer

Die Art muss noch als sehr selten bezeichnet werden, jedoch scheint sie sich in Ausbreitung zu befinden.

Sytematik

Unterordnung Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gattung Azurjungfer (Coenagrion)
Art Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Maße

Gesamtlänge 30 – 33 mm, hiermit ist sie die kleinste Libelle in der Gattung der Azurjungfern.
Spannweite: 30 – 40 mm

Merkmale

Ein Merkmal, dass sofort Auffällt sind die Komplexaugen auch Facettenaugen genannt, die bei fast allen Kleinlibellen mehrere Millimeter Abstand von einander haben. Bei den Großlibellen sind die Komplexaugen größer und berühren sich mindestens an einem Punkt. Bei der Gabel-Azurjungfer sind beim Männchen die Augen einheitlich blau und beim Weibchen grünlich. Wie alle Azurjungfern hat die Gabel-Azurjungfer eine blaue Grundfärbung mit schwarzer Zeichnung.

Auf der Oberseite vom Thorax (Brustkorb) sind die sogenannten Humeralstreifen, (2 schwarze Streifen, die sich links und rechts, auf den Schultern befinden) und die hellen Antehumeralstreifen (diese Längsstreifen liegen oben auf auf der Thoraxoberseite, über den Humeralstreifen) und sind standardmäßig hellblau, können aber sowohl bei un- und ausgefärbten Individuen auch weißlich sein.

Die Abdomenfärbung der Männchen hat grundsätzlich eine blaue Grundfarbe, mit variabler schwarzr Zeichnung auf den Hinterleibssegmenten (s. unten; Abdominalsegmente der Männchen).
Die jungen Weibchen sind während des Reifungsprozesses zuerst gelblich grün/braun mit wenigen Blautönen und hellen bis weißlichen Antehumeralstreifen. Mit zunehmendem Alter verändert sich färbung der Weibchen zu einem kompletten Blauton mit schwarzer Kennzeichnung, ähnlich dem der Männchen. Dabei ist die schwarze Zeichnung auf den Segmenten S3 – S5 torpedo- bzw. speerspitzenförmig.

Abdominalsegmente der Männchen
Segmenet 2 hat eine blaue Grundfarbe und ist mit einem schwarzem Mal versehen, dass an einer Stimmgabel bzw. Gabel erinnert und namensgebend für diese Azurjungernart ist. (s. unteres Bild)
Segmente S3 bis S5 sind ziemlich hälftig blau (obere Hälfte) und schwarz (untere Hälfte) gefärbt
S6 und S7 sind komplett schwarz mit eine schmalen blauen Ring als Segmentabschluss
S8 und S9 sind fast komplett blau gefärbt.
S10, das letzte Hinterleibssegment, ist als schmaler blau und schwarz gefärbter Ring und kaum erkennbar
Zum Schluss befinden sich die obere und untere Hinterleibsanhänge.

Die 4 Flügelmale (Pterostigmata).sind meistens gut erkennbar und farblich in einem hellen gelbbraunen duchsichtigen Farbton.

Ein Paarungsrad der Gabel-Azurjungfer 14.06.2023 (Bild: TrkaP)


Schlupf Ab Mitte Mai bis Ende Juni wechselt die Larve, nach mehreren Häutungen ihren Lebensraum und klettert als Larve an einem Röhrichthalm aus dem Wasser. Um die Umwandlung zur fertigen und flugfähigen Libelle (Metamorphose) zu vollziehen, befreit sie sich von ihrer Larvenhülle (Exuvie). Nach dem ihr Körper sich voll entfaltet hat und trocken ist, startet sie als flugfähiges Insekt zum Libellen-Jungfernflug in ein neues Leben.

Flugzeit Von April/Mai bis September, meistens aber nur bis Ende Juli/Anfang Auust.

Zu einer Verwechselung mit der Gabel-Azurjungfer innerhalb der Gruppe der Azurjungfern kann es in Baden-Württemberg bei 3 Arten vorkommen.Diese sind die Hufeisen-, Helm- und Vogel-Azurjungfer. Um diese auszuschließen, muss man genau auf die Merkmale achten und miteinander vergleichen. Die Verwechslunggefahr ist sehr groß, da sie sie häufiger gemeinsam am selben Biotop angetroffen werden. Am sichersten sind die Male auf dem jeweiligen 2. Segment. (s. oben)

Über Paarung, Eiablage und Larvalentwicklung ist kaum etwas bekannt. Ab der Eiablage vergeht rund ein Jahr bis zum Schupf der Libelle.

Habitat Bevorzugt werden flache, stehende und sonnenexponierte Kleingewässer, mit reichem niedrigem Wasserpflanzenbestand.

Ausbreitung in Deutschland Ursprünglich war die Gabel-Azurjungfer eine reine mediterrane Art, die erst am Anfang des zweiten Jahrtausends in Deutschland mit wenigen Nachweisen erfasst wurde .Damals gab es in BW nur wenige Fundorte in der südlichen Rheinebene nahe Freiburg. Seit 2015 hat sie sich dann rheinaufwärts ausgebreitet, wurde aber noch nicht als bodenständige Art angesehen, was heute allmählich angenommen werden kann.
In einem Bericht von Holger Hunger, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft Libellen (SGL): „Aktualisierter Kenntnisstand zur Verbreitung von Coenagrion scitulum in Baden-Württemberg, Stand 2018 (mit Ergänzungen 2019)“  ist aus der dortigen Rasterkarte zu entnehmen, dass es 2018 und 2019 die ersten Meldungen dieser Art aus dem Landkreis Schwäbisch Hall, südlich Ilshofen, gegeben hat.

Beobachtungen im Streifleswald Am 14.06.2023 konnte ich 3 Paare bei der Kopulation am Großen Kuhteich im Streifleswald erfassen, die vermutlich nicht die einzigen gewesen sein werden. Das obige Bild zeigt einen der 3 Paare.
Der Nachweis der Gabel-Azurjungfer im Streifleswald kann daher als Fortsetzung der Ausbreitung, dieser wärmeliebenden Libellenart, und auch als erste bekannte Beobachtung in der Gemeinde Michelfeld, angesehen werden. kann.

Schutzstatus In der noch aktuellen Roten Liste von 2005 wurde die Gabel-Azurjungfer nicht aufgenommen, da man damals unsicher war, ob die wenigen Nachweise sich festigen und es zu einer weiteren Ausbreitung kommen würde. Hier wird die Zunkunft zeigen, ob sich die Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum) an den Kuhteichen im Streifleswald, im Landkreis und letztendlich auch in Baden-Württemberg zu einem festen und regelmäßigen Bestand entwickelt.




Fragen zum Beitrag können Sie gerne an: peter.trka@gmail.com senden.

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