Pressemeldung 1.8.2011

"Große Töpferwespe in Kirchberg beobachtet"

 

Grundstueck

Hornissengroße Wespe aus Südeuropa erstmals im Landkreis Hall bestätigt.

 

Im Staudengarten der Familie Hartlieb in der Kirchberger Charlottenhöhe wird seit Tagen eine auffallend große und schöne Wespenart beobachtet, die selbst der Crailsheimer Wespen- und Bienenexperte Rainer Prosi noch nie im Landkreis Hall gesehen hat.

Kirchberg. „Was ist denn das für eine komische Hornisse?“ dachte sich Wiltraud Hartlieb, als sie Ende Juli mal wieder im Staudengarten nach den blauen Kugeldisteln schaute. Zwischen Hummeln, Wespen, Honigbienen, Wildbienen, gewöhnlichen Hornissen, Schwebfliegen und Schmeißfliegen stach ein schwarz-braunrot-gelbes Insekt von der Länge einer Hornissenkönigin hervor. „Wenn mich nicht alles täuscht, ist das eine Große Töpferwespe, die ich bisher nur auf Bildern gesehen habe“, sagte Ulrich Hartlieb am Telefon dem Wespen- und Bienenexperten des NABU Crailsheim, Rainer Prosi. Der war so konsterniert und fasziniert, dass er auf der Stelle nach Kirchberg fuhr.

In Hartliebs Garten erfuhr der Crailsheimer Insektenkundler, die exotische Wespe sei zwanzig Minuten auf den Blüten der Kugeldisteln gesessen und habe seelenruhig Nektar getankt. Vor gerade mal zwei Minuten sei sie abgeflogen. Aber Rainer Prosi wurde es nicht langweilig. Er sah zu und fotografierte, wie eine Hornisse nacheinander Bienen, Wespen und Fliegen schnappte, mit einem Stich lähmte, alle unbrauchbaren Körperteile mit den Mundwerkzeugen abschnitt und nur das Brustfiletstück zu ihren Larven ins Nest trug: Safari im Garten vor der Haustür. Nach einer guten Stunde wusste Rainer Prosi, dass sich die Fahrt nach Kirchberg gelohnt hat, denn die schwarz-rot-gelbe Wespe mit ihrer dünnen langen Taille war plötzlich wieder auf einer Kugeldistelblüte gelandet. „Tatsächlich, es ist die Große Töpferwespe, delta unguiculatus!“, war sich der Experte des NABU Crailsheim sofort sicher. Dutzende Fotos wurden geschossen, Ort und Datum der Beobachtung notiert und der überraschende Fund auf der Baden-Württemberg-Karte im Internet markiert (www.aculeata.eu).

Die Große Töpferwespe lebt einzeln, das heißt sie bildet keinen Volksstaat mit Königin und Arbeiterinnen wie die Hornisse. Sie besiedelt vorrangig den Siedlungsbereich des Menschen. Die Weibchen legen ihre Lehmnester an Steinen und Mauern an. „Sie bestehen aus mehreren Zellen, die zum Abschluss mit einem lehmigen Mörtel überdeckt werden“, sagt Rainer Prosi. In der freien Internet- Enzyklopädie „Wikipedia“ kann man lesen, dass die Große Töpferwespe auch Große Lehmwespe heißt. Dort heißt es weiter: „Ihre Larven werden jeweils mit zwei bis drei Raupen von Spannern oder Eulenfaltern versorgt. Wenn dieser Nahrungsvorrat nach zwölf Tagen aufgebraucht ist, verpuppen sie sich in einem Kokon.“ Die neue Generation der Großen Töpferwespe fliegt nur von Anfang Juni bis Ende August. Die restlichen neun Monate des Jahres verbringen die Insekten unsichtbar als Larve oder Puppe in ihren Lehmnestern, die aussehen wie ein getrockneter Lehmklumpen. Wer sich schon gewundert hat, wie jemand einen Lehmklumpen hoch hinauf an eine Hausfassade schleudern konnte, weiß jetzt Bescheid und sollte ihn erst zu Beginn des Sommers wieder entfernen, weil er dann von den Tieren nicht mehr gebraucht wird.